Seit über 170 Jahren ist die Geschichte des Hauses Lange Str. 73 fest mit Büchern und Druckerzeugnissen verbunden.
Am 1. Januar 1839 gründete der Buchdrucker Ludwig Guthe aus Andreasberg (Harz) in Worbis im Haus des Seilers Eberhardt eine Druckerei, die auch mit Büchern handelte. In dieser Druckerei wurde das Kreisblatt des Kreises Worbis im Auftrag des königlichen Landrats von Bültzigslöwen hergestellt. Als Herr Guthe am 28. Februar 1859 verstarb, führte seine Witwe zusammen mit dem Geschäftsführer Theodor Goldmann die Druckerei und das Geschäft weiter. Bei einem Grossbrand am 31. Oktober 1860 brannte das Geschäftshaus bis auf die Grundmauern nieder. In den Jahren 1861 – 1862 entstand ein neues größeres Gebäude. 1871 setzte sich Frau Guthe zur Ruhe. Ihr Schwiegersohn Herr Bernhard Müller führte das Geschäft bis 1899 weiter. Im Oktober 1899 übernahm sein Sohn, Karl Müller bis zu seinem Tode 1920 das Geschäft. Die Druckerei bestand bis Anfang des 2. Weltkrieges und das Buchgeschäft noch bis 1945.
Nach 1945 wurde das Gebäude verschiedentlich genutzt, so als Sitz der Ortsleitung der SED, als Schuhmacherwerkstatt, Wohnung und Stadtbibliothek. Im vorderen Teil des Hauses wurde auf Initiative der Stadt 1952 ein Buchladen des Volksbuchhandels eingerichtet. Das kleine Geschäft führte Frau Mertens. Es war wiederum die Stadt, die zusammen mit dem Volksbuchhandel einen Umbau zur Vergrößerung der Räumlichkeiten veranlasste. Am 1. Januar 1965 übernahm Herr Harald Hirsch die Buchhandlung. Er konnte 1972 eine erneute Erweiterung durchsetzen. 1978 war das Gebäude in einem so schlechten baulichen Zustand, dass es abgerissen und neu gebaut werden sollte. Aber wie an so vielen Stellen fehlte auch hier das Geld. Herr Hirsch führte die Buchhandlung bis nach der Wende und ging am 31. Mai 1991 in den Ruhestand.
Seiner Tochter, Cornelia Grugel, ist es zu verdanken, dass die Buchhandlung in Worbis erhalten blieb. Die ausgebildete Buchhändlerin privatisierte die einstige Volksbuchhandlung zum 13. Juni 1991 in den alten Räumlichkeiten. Das Gebäude konnte am 1. März 1994 von den Alteigentümern erworben werden. Damit stand einer umfassenden Sanierung nichts mehr im Wege. Am 3. September 1994 wurde mit dem Abbruch des total baufälligen Hauses begonnen, dem der Neubau folgte. Nach halbjähriger Bauzeit wurde die „ Bücherstube Worbis „ am 30. März 1995 wieder eröffnet.